Hinter den Kulissen: Der Sachbuchmarkt aus der Sicht eines Autors

Im Gespräch mit dem Bücherpodcast Kapitel Eins berichtet Thomas Sünder, wie der Sachbuchmarkt funktioniert, was ein gutes Sachbuch ausmacht und was man bedenken sollte, ehe man sich an die Arbeit macht.

Hier geht es zur offiziellen Website vom Bücherpodcast:

< Zurück zur Übersicht

Welttag des Hörens: Interview SR2 Kulturradio (Audio)

Zum Welttag des Hörens am 3. März 2019 erklärt Thomas Sünder, warum unsere Ohren nicht dazu geschaffen sind, in unserer lauten Welt dauerhaft zu funktionieren, wie wir unser Gehör dennoch bewahren können und warum es ohne Ohren keine Computer gäbe. Hier geht es zum Interview:

< Zurück zur Übersicht

Make love, not loud: Ganz Ohr unterstützt BARMER

Unter dem MottoMake love, not loud präsentiert die BARMER Krankenkasse, in Zusammenarbeit mit Mimi und den beiden Autoren von Ganz Ohr, ein interaktives Musikvideo. Die Zuschauer können beim Betrachten eine von vier Lautstärken wählen und live verfolgen, was dabei im Ohr geschieht.

Im Video handelt es sich allerdings nicht um ein echtes Ohr, sondern um ein plüschiges Wohnzimmer im 70er-Jahre-Stil. Für den coolen Look ist Regisseur Lars Timmermann verantwortlich, der zuletzt mit dem Video Zusammen von den Fantastischen Vier feat. Clueso für Furore gesorgt hat.

Auch wenn der Spaß hier nicht zu kurz kommt, ist der Hintergrund des Videos durchaus ernst. Kopfhörer gehören bei vielen Teenagern zum Alltag und werden oft zu laut eingestellt. Warum dies so ist, verrät der Blog-Beitrag Droge Musik: Warum wir zu laut aufdrehen.

Unter dem interaktiven Video wird beschrieben, was es mit den einzelnen Lautstärken auf sich hat und ab wann es für unser Gehör gefährlich wird. Für diese Texte wurden die Autoren von Ganz Ohr als Hörexperten hinzu gezogen. “Aufklärung über die Risiken von Lärm im Allgemeinen, auch von zu lauter Musik, liegt uns besonders am Herzen”, sagt Buchautor Thomas Sünder. “Ich selbst habe als Teenager im Umgang mit meinem Gehör viel falsch gemacht und wir möchten junge Menschen davor schützen, dieselben Fehler zu begehen.” Co-Autor Dr. Andreas Borta ergänzt: “Sind unsere Ohren erst einmal geschädigt, gibt es keine Heilung. Insofern ist es wichtig, bereits in jungen Jahren das Gehör zu schützen.”

< Zurück zur Übersicht

Droge Musik: Warum wir zu laut aufdrehen

Droge Musik: Warum wir zu laut aufdrehen

Was haben Rock-Konzerte, Techno-Clubs und Schlager-Diskotheken gemeinsam? So unterschiedlich die Musik auch sein mag, sie wird mit hoher Lautstärke auf die Ohren der Fans abgefeuert. Häufig liegt der Schalldruck bei über 100 Dezibel, wo bereits wenige Minuten ohne Gehörschutz bleibende Schäden auslösen können, von Tinnitus über Schwerhörigkeit, bis hin zu Gleichgewichtsproblemen.

Wem das nicht reicht, der kann in der Bahn oder dem Bus seinen MP3-Player mit Kopfhörern auf 103 Dezibel richtig aufdrehen. Oder die Musikanlage im Auto. So ruinieren sich viele junge Menschen nach und nach das Gehör, denn immer mehr versteckte Schäden sammeln sich im Laufe der Zeit. Wenn die Schwerhörigkeit erst einmal bemerkt wird, oder der Tinnitus Tag und Nacht in den Ohren pfeift, ist es zu spät.

Doch warum drehen wir eigentlich so laut auf? Worin besteht der besondere Kick von lauter Musik? Die Antwort hierauf ist im Belohnungszentrum unseres Gehirns zu suchen. Je nach Musikgeschmack, werden beim Hören bestimmter Songs Botenstoffe ausgeschüttet, die Glücksgefühle auslösen, oder andere, die traurig oder aggressiv machen. Dadurch kann Musik unsere Stimmung unmittelbar beeinflussen. Die Wirkung geht so weit, dass sogar Schmerzlinderung durch Musik klinisch nachweisbar ist. Eigentlich ist Musik eine Droge ohne Nebenwirkungen – es sei denn, wir hören zu laut!

Natürlich hören wir bevorzugt diejenige Musik laut, die uns besonders gefällt. Mehr noch: wie gut uns ein Lied gefällt, beeinflusst sogar unsere vermeintlich objektive Wahrnehmung von Lautstärke! In einem Experiment hat man jeweils zwanzig Rock-Fans und solche Personen, die Rock nicht mochten, kurze Musikschnipsel unterschiedlicher Art und Lautstärke vorgespielt. Die Aufgabe bestand darin, die Lautstärke der einzelnen Klangfolgen auf dieselbe Stärke einzustellen. Tatsächlich regelten die Rock-Fans Passagen aus Rock-Titeln lauter, als die restlichen Studienteilnehmer. Daraus lässt sich schließen, dass sie diese Musik als weniger laut empfanden, als Menschen, die einen anderen Musikgeschmack haben.

Dass wir Musik aufdrehen, die uns gefällt, liegt also daran, dass dadurch besonders viele Glückshormone in unserem Gehirn freigesetzt werden und diese verändern auch unser Lautstärkeempfinden. Wir werden sozusagen für das laute Aufdrehen der Musik unmittelbar belohnt mit Wohlbefinden. Eine US-amerikanische Studie belegt: Daraus kann ein Verhalten resultieren, das dem von Drogenabhängigen ähnelt. Zwei Parallelen zwischen der „Droge Musik“ und beispielsweise Alkohol sind besonders deutlich. Zum einen das Verlangen, den Drogen- oder Musik-Kick zu verstärken und zu wiederholen. Hören wir einen Song leise im Hintergrund im Radio, der uns besonders anspricht, ist der erste Impuls, den Kick zu erhöhen, indem wir lauter drehen. In der Folge wollen wir denselben Song gerne wieder hören.

Eine weitere Parallele zur Sucht nach Drogen ist das Ausschalten der Vernunft beim Konsum. Langfristige Ziele, wie gesund zu bleiben und möglichst alt zu werden, treten in den Hintergrund. Mag ein Trinker wissen, dass er seine Leber schädigt und seine Lebenserwartung verkürzt – dennoch ist der augenblickliche Drang größer, sich dem Rausch hinzugeben. Genauso verhält es sich mit der lauten Musik auf Konzerten und in Clubs: Viele Menschen wissen, dass sie damit ihr Gehör schädigen können, und dennoch wollen sie die Musik möglichst intensiv fühlen. Dazu trägt auch die Stimulation des Gleichgewichtsorgans in den Ohren durch die Bässe der großen Lautsprecher bei.

Ich kann davon ein Lied singen, war ich doch selbst jahrelang Musik-Junkie. Tinnitus als bleibendes Warnsignal konnte mich nicht davon abhalten. Erst als mein Gehör auf einer Seite endgültig ruiniert war, konnte ich einen vernünftigen Umgang mit der Droge Musik finden. Ich hoffe, dies möge dem ein oder anderen Leser erspart bleiben. Denn der Ausweg ist ganz einfach: Wenn Sie ein Konzert oder einen Club besuchen, tragen Sie einen Gehörschutz. Es gibt viele Varianten von Ohrstöpseln, die man bequem mitführen kann. Gönnen Sie Ihren Ohren immer wieder Pausen und verlassen sie für einige Zeit die lauten Bereiche, denn der Schall dringt trotz Gehörschutz auch über die Schädelknochen ein. Wenn Sie selbst als Musiker auf der Bühne stehen, nutzen Sie ein professionelles In-Ear Monitoring System. Und im alltäglichen Einsatz von MP3-Playern und Co, denken Sie bitte daran: Ein Lautstärkeregler muss nicht bis zum Anschlag aufgedreht werden. Wie jede Sucht, ist das letztlich eine durch unser Verhalten erworbene Angewohnheit. Und Gewohnheiten kann man ändern – beim Musik-Konsum vermutlich leichter, als bei anderen Drogen.

< Zurück zur Übersicht

Literaturverzeichnis

Florentine, M., Hunter, W., Robinson, M., Ballou, M., & Bus, S. (1998). On the Behavioral Characeristics of Loud-Music Listening. Ear & Hearing, 19, S. 420-428.

Fucci, D., Harris, D., Petrosino, L., & Banks, M. (1. Dezember 1993). Effect of Preference for Rock Music on Magnitude-Production Scaling Behavior in Young Adults: A Validation. Perceptual and Motor Skills, S. 811-815, https://doi.org/10.2466/pms.1993.77.3.811.

Kern, J. H. (2013). Emotionale Wirkungen lauter Bassklänge in der Popularmusik: Vestibularsystemanregung über Knochen- oder Luftschall? Masterthesis. Technische Universität Berlin.

Lim, P., & Locsin, R. (2006). Music as nursing intervention for pain in five Asian countries. International Nursing Review, 53, S. 189-196, doi:10.1111/j.1466-7657.2006.00480.x.

Salimpoor, V. N., Zald, H. H., Zatorre, R. J., Dagher, A., & McIntosh, A. R. (19. Dezember 2014). Predictions and the brain: how musical sounds become rewarding. Trends in Cognitive Sciences, S. 86-91, doi: 10.1016/j.tics.2014.12.001.

Whipple, B., & Glynn, N. J. (1992). Quantification of the effects of listening to music as a noninvasive method of pain control. Scholary Inquiry for Nursing Practice: An International Journal, 6, S. 43-58.